Wie sicher ist der Umgang mit H2?

In vielen Bereichen der Industrie soll Wasserstoff helfen, Unternehmen und Produkte CO2-neutral zu machen. Wie riskant ist der Umgang mit dem Stoff, den viele noch aus der Schule als Knallgas kennen?


Wenn Wasserstoff bald in großen Elektrolyseanlagen erzeugt, in einem mehr als 9.000 km langen Leitungsnetz durch das Land geschickt und breit eingesetzt wird, muss die Sicherheit gewährleistet sein. Wie garantieren die Betreiber der Anlagen das und welche Erfahrungen gibt es?

Das haben wir am 22. April 2026 im GET H2 Live-Talk diskutiert mit:
Ann-Christin Fleer, Referentin Wasserstoff und erneuerbare Gase, OGE
Alexander Redenius, Hauptabteilungsleiter Ressourceneffizienz und Technologieentwicklung Salzgitter AG

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Die Zusammenfassung des Talks:
Wasserstoff gilt manchem als besonders gefährlicher Stoff. Zu Unrecht. Wasserstoff ist brennbar und explosionsfähig. Wäre er das nicht, wäre er nicht als Energieträger nutzbar. Ein sicherer Umgang mit H2 ist jedoch problemlos möglich – wie bei Erdgas oder Benzin auch. Das war die zentrale Botschaft im GET H2 Live-Talk mit Ann-Christin Fleer, Referentin Wasserstoff und erneuerbare Gase bei OGE, und Alexander Redenius, Hauptabteilungsleiter Ressourceneffizienz und Technologieentwicklung, Salzgitter AG. Knallgas aus dem Chemieunterricht, die brennende Hindenburg 1937 über New Jersey – diese Bilder ploppen häufig auf, wenn es um H2 geht. Die Realität einer industriellen Wasserstoffwirtschaft sieht anders aus, wie Alexander Redenius klar sagt: „Wasserstoff ist kein harmloser Stoff. Aber er ist auch kein Sonderrisiko. Wir wissen seit Jahrzehnten, wie wir damit umgehen müssen.“ Die zentralen Punkte aus dem Talk und aus dem Factsheet „H2-Sicherheit“, das auch hier auf der GET H2 Website zu finden ist.

Die weiteren zentralen Punkte im Überblick:

  • Wasserstoff hat andere Eigenschaften als Erdgas: Er ist 14-mal leichter als Luft und verflüchtigt sich bei Austritt sofort nach oben. Ein Vorteil, sollten Leckagen auftreten. Reiner Wasserstoff in Tanks oder Leitungen ist wie Erdgas nicht brennbar, erst gemischt mit Umgebungsluft entsteht ein entzündliches Gemisch
  • An dem Mythos, bestehende Erdgasleitungen seien nicht für Wasserstoff geeignet, ist nichts dran. Das Phänomen der Wasserstoffversprödung existiert zwar, aber nur unter sehr spezifischen Bedingungen: Wasserstoff muss atomar vorliegen und es müssen sich Risse in der Leitung befinden. „Wir kennen den Zustand jeder Leitung genau, können Risiken berechnen und den Betrieb entsprechend steuern“, sagt Ann-Christin Fleer. Außerdem werde jede Leitung in einem konstanten Druckbereich betrieben. Das mindere die Belastung und die Risiken für Risse.
  • Deutschland hat 100 Jahre Erfahrung mit Wasserstoff. Die chemische Industrie und Raffinerien setzen Wasserstoff seit Jahrzehnten täglich ein. Stadtgasnetze mit bis zu 60 Prozent Wasserstoffanteil wurden über Jahrzehnte sicher betrieben.
  • Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff sind ebenfalls eine seit vielen Jahrzehnten erprobte Technologie. Neu ist die Größenordnung bei 100 MW-Anlagen, die aber nicht mit zusätzlichen Sicherheitsrisiken einhergeht.
  • Die Speicherung von Wasserstoff in unterirdischen Salzkavernen ist erprobt, die ebenfalls für Erdgas verwendeten Kavernen sind sehr gut geeignet. Salz ist gasdicht und chemisch inert gegenüber Wasserstoff. In den USA und Großbritannien sind Wasserstoffspeicher in Salzkavernen bereits seit Jahren in Betrieb.
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