H2-Import – Wie kommt Wasserstoff nach Deutschland?
Stahlindustrie, chemische und petrochemische Industrie, Mittelstand – für deren Dekarbonisierung werden große Mengen Wasserstoff benötigt. Rund 70 % des grünen Wasserstoffs sollen importiert werden.
Aus welchen Ländern und in welcher Form kommt das H2 nach Deutschland? Welche Rolle spielt Ammoniak dabei? Wie wird der Handel ausgestaltet und was ist regulatorisch noch zu tun?
Das haben wir am 22. April 2026 im GET H2 Live-Talk bei LinkedIn diskutiert mit:
Dr. Stefan Weiske, Manager Hydrogen, Uniper Hydrogen GmbH
und Dr. Julian Hümmer, Manager Hydrogen, Uniper Hydrogen GmbH
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDie Zusammenfassung des Talks:
Energieimporte sind durch die geopolitische Lage ein umstrittenes Thema. Bei Wasserstoff führt aber kein Weg daran vorbei. Die große Bedeutung internationaler Lieferpartner für eine sichere H2-Versorgung stand im GET H2 Live-Talk außer Frage für Dr. Julian Hümmer und Dr. Stefan Weiske, beide Manager Hydrogen bei der Uniper Hydrogen GmbH. Anders als bei Erdgas und Erdöl sei aber eine deutlich diversifiziertere und damit resilientere Wertschöpfungskette möglich dank einer Vielzahl an möglichen Partnerländern und der verschiedenen Möglichkeiten, Wasserstoff zu importieren. Ammoniak spielt als Wasserstoffderivat eine zentrale Rolle. Der Stoff wird bereits weltweit gehandelt, die Logistikketten sind etabliert, wie Julian Hümmer und Stefan Weiske erklärten. Eigentlich wird Ammoniak vor allem als Dünger eingesetzt. Die chemische Formel NH3 zeigt aber bereits, wie viel Wasserstoff in ihm gebunden ist, der sich über das sogenannte Cracking wieder herauslösen lässt. Der Import von grünem Ammoniak wird maßgeblich per Schiff aus Ländern mit sehr geringen Kosten für grünen Strom stattfinden wie Indien, Australien oder südamerikanischen Ländern. Die weiteren zentralen Punkte aus dem Talk und aus dem Factsheet „H2-Import“, dass es auch auf der GET H2 Website gibt
Die weiteren zentralen Punkte im Überblick:
- Importwege: Pipeline für kurze Distanzen, Derivate für die langen Strecken. Für interkontinentale Transporte sind die Wasserstoffderivate Ammoniak und synthetisches Methan die entscheidende Option. Der Energieaufwand für Umwandlung und Rückgewinnung ist der Preis, den man für die Transportfähigkeit zahlt.
- Ab wann kommt der Import an? Realistischer als wie bisher geplant 2028 ist laut Hümmer und Weiske eher ein Start um 2030. Auch weil erst dann das Wasserstoff-Kernnetz den nötigen Umfang hat, um importierten Wasserstoff auch wirklich zu den Abnehmern zu bringen.
- Welche Rolle spielen H2Global und European Hydrogen Bank? H2Global gleicht über Doppelauktionen Einkaufs- und Verkaufspreise aus und schafft damit Planungssicherheit für frühe Projekte. Die European Hydrogen Bank garantiert Erzeugern Festpreisprämien im Wettbewerb. Erste Runden sind gelaufen, die Wirksamkeit wird sich zeigen.
- Der fehlende internationale Zertifizierungsstandard ist noch ein zentrales Hemmnis. Wer heute eine Anlage plant, weiß nicht, nach welchen Standards grüner Wasserstoff in 10 Jahren zertifiziert sein wird. Das blockiert Investitionen – nicht nur in Deutschland, sondern entlang der gesamten globalen Wertschöpfungskette. Gebraucht werden Standards, die nicht nur global, sondern auch langfristig stabil sind.