H2-Hochlauf – Kommt da noch was?

Wasserstoffstrategie, IPCEI-Förderung, Kernnetz – für Wasserstoff lief es richtig gut. Jetzt ist der Drive raus, der Hochlauf stockt. Die GET H2 Partner mit ihren Projekten, der BDEW mit seinem Impuls für ein H2-Gesetz und dem Midstreamer-Paper gehen weiterhin konstruktiv voran.


Doch die Politik in Berlin und Brüssel scheint das Interesse verloren zu haben. Ist der H2-Hochlauf zu Ende, bevor er begonnen hat? Muss die Branche einfach geduldiger sein oder mehr Druck ausüben? Wie muss sich H2 in das Gesamtsystem der Energieversorgung einordnen, um zwischen StromVKG und GModG seinen Platz zu finden?
 
Das haben wir im GET H2 Live-Talk auf LinkedIn diskutiert mit:
Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.)

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die Zusammenfassung des Talks:
Der H2-Hochlauf kommt – und zwar weltweit. Im GET H2 Live-Talk hat Kerstin Andreae klar gemacht: Wasserstoff ist keine deutsche oder europäische Sonderveranstaltung, sondern fester Bestandteil der Energiepolitik in China, Japan und den Erzeugerländern in Südamerika und Afrika. Damit Deutschland seine Potenziale nutzt und die geplanten Projekte auch in die Umsetzung gehen, brauche es deutlich mehr politischen Rückenwind als derzeit, sagte die Hauptgeschäftsführerin des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.. Es gebe viele Projekte im Bereich Erzeugung und Abnahme, die sind in Planung, haben aber noch keine FID. Hier brauche es geeignete Fördermaßnahmen wie z.B. CfD, bei denen die zu Anfang höheren Kosten des Wasserstoffs getragen und später ausgeglichen werden. Nur wo ein entsprechender Rahmen bestehe, werde auch investiert.

Die weiteren zentralen Punkte von Kerstin Andreae im Überblick:

  • RFNBO-Kriterien auf EU-Ebene vereinfachen: Diese sind das größte Hemmnis. Wer grünen Wasserstoff produzieren will, muss heute so viele Bedingungen erfüllen, dass der Markt gar nicht erst hochläuft. Die Kriterien müssen vereinfacht werden, ohne das Klimaziel aufzugeben.
  • Weg von der Farbenlehre, her mit den Mengen: Am Ende muss der Wasserstoff klimaneutral sein. Zunächst braucht es aber Wasserstoff, egal ob grün oder blau, um den Markt hochlaufen zu lassen. Nur dann gibt es die Mengen, die nötig sind, damit der Wasserstoff günstiger wird.
  • Versorgungssicherheit und Resilienz müssen Teil der H2-Story werden: Der Klimawandel bleibt ein Riesenthema – aber er interessiert momentan nicht. Aber Wasserstoff ist nicht nur ein Klimathema. Die Abhängigkeit beim Gas hat gezeigt, wie wichtig diversifizierte Lieferketten sind. Beim Wasserstoff können wir das über Energiepartnerschaften mit Ländern in Afrika und Südamerika erreichen.
  • StromVKG und KWK als Wasserstoff-Türöffner: Neue Gaskraftwerke sind wichtig für die H2-Nachfrage, müssen aber H2-ready sein. Zusammen mit der oft übersehenen Kraft-Wärme-Kopplung entstehen damit zwei konkrete Großabnehmer für Wasserstoff, bevor die Industrie in der Breite einsteigt.
  • Grüngasquote bietet Chancen – aber noch sind viele Fragen offen: Die Debatte zwischen Pro- und Contra-Lagern innerhalb der Energiewirtschaft ist positiv und bringt das Thema voran. Was zählt: Die Quote darf den Wasserstoffhochlauf nicht gefährden und braucht eine klare Unterquote, europäische Zertifizierungsstandards und eine bürokratiearme Umsetzung.
Alle Videos