So gelingt der Einstieg in die Wasserstoff­wirtschaft

entscheidende Maßnahmen für die neue Bundesregierung

Die Situation:

Deutschland braucht klimafreundlichen Wasserstoff, sowohl für ein zukunftsfähiges, klima­neutrales Energiesystem als auch für die stoffliche Nutzung in der Industrie. Doch die Herstellung und Anwendung erster Mengen von klima­freundlichem Wasserstoff ist in Deutschland ins Stocken geraten und gefährdet. Mehrere deutsche Projekte zur Produktion und Anwendung von grünem Wasserstoff haben ihre Investitionsentscheidungen zurückgestellt. Projekte zum Import von Low-carbon Wasserstoff wurden gestoppt.

Die zentrale Heraus­forderung:

Die Kosten für die Herstellung von klimafreundlichem Wasserstoff sind in Deutschland zu hoch, der Einsatz ist für die Unternehmen derzeit absehbar nicht wirtschaftlich. Die kommende Bundesregierung kann mit gezielten Maßnahmen darauf einwirken, die Kosten zu senken, erste

Die notwendigen Schritte für die kommende Legislaturperiode:

Die folgenden Ziele sollten daher in den Koalitionsvertrag der kommenden Bundes­regierung aufgenommen und unmittelbar umgesetzt werden:

1. Die Herstellungs­kosten für grünen Wasserstoff reduzieren durch ein Zurückfahren kosten­treibender EU-Regulierung und Senken der Stromkosten.

  • Auf 2026 vorgezogene und gezielte Revision des delegierten Rechtsakts der RED III zu RFNBO (Verlängerung der Übergangsfrist für das Kriterium der Additionalität des eingesetzten EE-Stroms und der monatlichen Korrelation bis 2035).
  • Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure auch für Inbetriebnahme nach 2029 verankern.

2. Anreize schaffen, die den Einsatz von klimaschonendem Wasserstoff wettbewerbsfähig machen, die Wirtschaft­lichkeitslücke schließen und so die Nachfrage gezielt hochfahren.

  • Eine Umsetzung der RED III mit RFNBO-Hochlaufpfad bis 2030 und Fortschreibung des THG-Minderungspfads über 2030 hinaus sowie einer Flankierung durch entsprechende Förderung.
  • Leitmärkte für mit Wasserstoff CO2-arm hergestellte Grundstoffe wie Stahl einführen (z.B. bei der öffentlichen Beschaffung).
  • Instrumente zur Projektclusterfinanzierung und -absicherung schaffen oder anpassen, die Angebot, Infrastruktur und Nachfrage zusammenbringen.

3. Projekte zur Herstellung und zum Import von Low-carbon / blauem Wasserstoff sowie langfristige Abnahmeverträge fördern.

Diese Maßnahmen können zeitnah und zum Teil ohne zusätzliche staatliche Mittel umgesetzt werden. Sie verkleinern die Wirtschaftlichkeitslücke beim Einsatz von klimaschonendem Wasserstoff entscheidend und ermöglichen, dass erste wichtige Projekte in Deutschland zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft umgesetzt werden können.

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Projekte

Erzeugung

300 MW Elektrolyse (GET H2 Nukleus)

RWE
Das Projekt GET H2 Nukleus umfasst die Errichtung einer Elektrolyseanlage am Standort des Gaskraftwerks Emsland in Lingen (Ems), Landkreis Emsland, Niedersachsen. Die Anlage wird in drei Ausbaustufen mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt (MW) errichtet. Das Projektziel ist die großskalige, kommerzielle Erzeugung von grünem Wasserstoff, der an industrielle Abnehmer geliefert wird.
Das Vorhaben wird im Rahmen des IPCEI-Programms Hy2Infra (Important Project of Common European Interest) gefördert. Die Förderung erfolgt durch den Bund und das Land Niedersachsen. Inbetriebnahme der ersten 200 MW ist für 2026 geplant, die Erweiterung auf 300 MW für 2027. Die Anlage erzeugt bei Volllast 5,6 Tonnen grünen Wasserstoff pro Stunde.
Transport

Wasserstoff-Trainingsstrecke Werne

OGE
Der Aufbau eines flächendeckenden Wasserstoff-Transportnetzes erfordert neben der technischen Infrastruktur auch einen Wissens- und Kompetenzaufbau bei den technischen Mitarbeitenden. Deshalb hat OGE die H2-Trainingsstrecke in Werne gebaut. Hier kann der Umgang mit dem Molekül unter realen Bedingungen geübt und die betrieblichen Abläufe trainiert werden. In einer 3-tägigen Schulung werden sowohl theoretische, insbesondere aber praktische Inhalte vermittelt. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit dem Gas- und Wärme-Institut Essen e. V. (GWI) und dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) angeboten. 
Anwendung
Erzeugung

SALCOS (Salzgitter Low CO2 Steelmaking)

Salzgitter AG
Die Salzgitter AG stellt am Standort Salzgitter in Niedersachsen die Stahlproduktion auf Wasserstoff um. Das Programm SALCOS® (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) vermeidet die Entstehung von CO₂ direkt im Produktionsprozess. Die erste Ausbaustufe besteht aus einer Direktreduktionsanlage mit 2 Millionen Tonnen Jahreskapazität, einem Elektrolichtbogenofen und einer 100-MW-Elektrolyseanlage zur Wasserstofferzeugung auf dem Werksgelände.
Das IPCEI-Projekt wird mit rund einer Milliarde Euro durch den Bund und das Land Niedersachsen gefördert. Der Produktionsstart ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Im ersten Schritt wird rund ein Drittel der Produktion auf das wasserstoffbasierte Verfahren umgestellt. Die vollständige Transformation bis Mitte der 2030er Jahre soll die CO₂-Emissionen um über 95 Prozent reduzieren.
Transport

H2-Leitung Legden-Marl-Scholven

SYNEQT (Evonik)
Das Pipelinesystem von SYNEQT verbindet den Chemiepark Marl und die Raffinerie Scholven in Nordrhein-Westfalen mit dem Wasserstoffkernnetz. Die Gesamtstrecke umfasst mehr als 50 Kilometer betriebsbereite Pipeline, davon wurden 41 Kilometer einer bestehenden Erdgasleitung auf Wasserstoff umgestellt und 13 Kilometer neu gebaut. Ergänzend wurden neue Abschnitte errichtet, darunter eine drei Kilometer lange Pipeline durch den Chemiepark Marl sowie eine zehn Kilometer lange Verbindung nach Gelsenkirchen-Scholven zur Raffinerie. Das System ermöglicht den Transport von maximal 50.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr und bringt klimaneutralen Wasserstoff direkt zu industriellen Abnehmern. Das Projekt ist Bestandteil der Initiative GET H2 Nukleus und wurde von SYNEQT gemeinsam mit Partnern aus der Wasserstoff-Wertschöpfungskette realisiert. Ziel ist die Verbindung der klimaneutralen Erzeugung von grünem Wasserstoff in Norddeutschland mit industriellen Abnehmern in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. SYNEQT schloss die Arbeiten an der Pipeline-Gesamtstrecke von Legden über Marl bis Gelsenkirchen-Scholven in knapp zwei Jahren intensiver Projektarbeit ab. Dabei wurden sechs Stationen im Rahmen der Umstellung einbezogen. Die Pipeline stärkt die Rolle des Chemieparks Marl als Wasserstoff-Knotenpunkt.
Transport

Flow-making hydrogen happen Stufe 1

GASCADE
Im Dezember 2025 wurden 400 Kilometer Wasserstoff-Pipeline in Betrieb genommen. Dafür wurden bestehende Leitungen mit Wasserstoff befüllt. Die Strecke verläuft von Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern bis Bobbau in Sachsen-Anhalt.
Transport

Umstellung Leitungen 40b, 43 und 60

Nowega
Die Leitungen 40b, 43 und 60 verbinden den Raum Lingen im Landkreis Emsland mit Bad Bentheim im Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen und bilden einen wichtigen Abschnitt des entstehenden Wasserstoffnetzes GET H2 NETZ. Die drei Leitungsabschnitte umfassen insgesamt rund 51 Kilometer: Leitung 40b erstreckt sich über 22 Kilometer von der Station Messingen südöstlich von Lingen über den Netzknotenpunkt Schepsdorf bis zur Station Frenswegen nordwestlich von Nordhorn, Leitung 43 verläuft über 11 Kilometer von der Station Schepsdorf bis zur Station Holthausen II mit Anbindung zur bp Lingen, und Leitung 60 führt über 18 Kilometer von der Station Frenswegen bis zur Station Bentheim. Die Leitungen operieren mit einem Betriebsdruck von 70 bar. Die umgestellten Erdgasleitungen dienen dem Transport von grünem Wasserstoff aus Lingen, wo Wasserstoff aus Windstrom erzeugt werden soll, zu industriellen Abnehmern im nördlichen Ruhrgebiet. Das Projekt wurde von der Nowega GmbH umgesetzt und ist Teil des Projekts GET H2 Nukleus, das im Verbund mit den Partnern OGE, RWE und Evonik realisiert wird. Das Projekt wird im Rahmen des IPCEI-Programms gefördert. Die Leitungen 40b und 60 sind seit der erfolgreichen Umstellung betriebsbereit und transportieren Wasserstoff.