Factsheet Import von Wasserstoff

Für die Dekarbonisierung der Industrie und anderer Sektoren werden große Mengen Wasserstoff benötigt. Insbesondere die Stahlindustrie, die chemische und petrochemische Industrie sowie viele Bereiche der mittelständischen Industrie können grünen oder kohlenstoffarmen Wasserstoff als CO2-freie bzw. CO2-arme Alternative zu Erdgas oder grauem Wasserstoff einsetzen. Um das zu ermöglichen, ist neben der Errichtung von heimischen Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff der Import von Wasserstoff entscheidend. Laut Nationaler Wasserstoffstrategie werden 70 % des in Deutschland eingesetzten Wasserstoffs über den Import kommen.

1. In welcher Form wird der Wasserstoff importiert?


Welcher Weg möglich und geeignet ist, hängt insbesondere von der jeweiligen Importquelle und den möglichen Importrouten ab.

Nicht betrachtet werden hier wenig relevante Formen wie das H2-Derivat Methanol, der Import über LOHC sowie direkte Importe. Zu letzterem zählt der Import von Eisenschwamm nach Vorbehandlung mit H2 im Exportland oder der Import von Erdgas zur Herstellung von blauem H2 in Deutschland.

2. Aus welchen Ländern stammt der Import-Wasserstoff? Über welche Wege kommt er nach Deutschland und ab wann wird er verfügbar sein?

Bei den hier dargestellten Routen handelt es sich um Optionen für Importkorridore. Diese werden von den jeweils beteiligten Unternehmen mit dem Ziel einer diversifizierten, resilienten Energieversorgung aufgebaut.

Zeitkorridor (gemäß aktueller Planungen 01/2026):

  • 2028 – Südamerika
  • 2030 – Norwegen, Westafrika
  • 2031 – Dänemark
  • ab 2032 – Spanien, Italien, Nordafrika, Finnland, Schweden, Großbritannien (inkl. Nord- und Ostseekorridor)

3. Welche Infrastrukturen sind für den Import von Wasserstoff notwendig?

Der Import von Wasserstoff findet wie oben dargestellt über verschiedene Wege statt,
für die jeweils verschiedene Infrastrukturen notwendig sind.

Transport über Leitungen

Wie beim Transport von Wasserstoff innerhalb Deutschlands sind auch für den Import Leitungen der effizienteste Weg. Analog zum Wasserstoff-Kernnetz, das den Wasserstoff an den Importpunkten aufnimmt, wird der European Hydrogen Backbone als europaweites Leitungsnetz aufgebaut. Die Umstellung bestehender Erdgas-Pipelines auf Wasserstoff ist die kosteneffizienteste Variante. Daher werden wo möglich auch hier bestehende Leitungen auf den Transport von Wasserstoff umgestellt oder die bestehenden Leitungen für synthetisches Methan weitergenutzt.

Häfen und Importterminals

Beim Import per Schiff werden Importterminals benötigt, die den Wasserstoff oder das Derivat aus dem Schiff zum Weitertransport bringen. Unter anderem sollen die in den vergangenen Jahren errichteten LNG-Terminals hierfür genutzt werden können, wenn der Wasserstoff als synthetisches Methan importiert wird (CO2-Kreislaufführung). Eine weitere Option ist die Umrüstung nicht mehr benötigter LNG-Terminals auf den Import von Derivaten wie Ammoniak.

Ammoniak-Cracker

Beim Import in Form von Ammoniak (NH3) kann dieses in einem sogenannten Cracker nach der Anlandung unter Zufuhr von Wärme in die Bestandteile Stickstoff und Wasserstoff zerlegt werden. Im Anschluss werden diese beiden Bestandteile voneinander getrennt und der Wasserstoff kann in ein Leitungsnetz eingespeist werden. Alternativ kann Ammoniak direkt genutzt werden – Importe ersetzen dann z. B. die heimische Erzeugung.

4. Wie wird der Handel mit Wasserstoff ausgestaltet sein?

H2Global

Um den Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes zu fördern, hat die Bundesregierung H2Global aufgebaut. Ziel von H2Global ist die Beschaffung von grünen Wasserstoffprodukten auf dem Weltmarkt sowie deren Verkauf in der EU bzw. Deutschland an die meistbietenden Abnehmer. H2Global führt die Auktionen auf Ein- und Verkaufsseite durch, tritt aber nicht selbst als Importeur auf. Ist der Einkaufspreis höher als der Verkaufspreis, wird die Differenz durch staatliche Förderung ausgeglichen. Dies schafft Preissicherheit und unterstützt den globalen Markthochlauf. In der mit 900 Mio. Euro finanzierten ersten Ausschreibungsrunde wurde bislang nur im Jahr 2024 der Tender für RFNBO-konformes Ammoniak abgeschlossen. Weitere Bieterrunden mit Fördermitteln in Höhe von mehreren Mrd. Euro sind geplant.

European Hydrogen Bank

Die EU fördert den Aufbau des Wasserstoffmarktes über die European Hydrogen Bank (EHB). Diese vergibt über ein wettbewerbliches Auktionsverfahren Festpreis-Prämien an Produzenten von erneuerbarem Wasserstoff (RFNBO) in der EU für bis zu 10 Jahre. Im Dezember 2025 wurde die dritte Auktionsrunde mit einem Gesamtbudget von 3 Mrd. Euro gestartet. Ein zentrales Element ist das „Auction-as-a-Service“-Modell (AaaS), bei dem Mitgliedsstaaten nationale Fördergelder über das EU-Auktionsverfahren vergeben können. Deutschland beteiligt sich an der dritten Auktion, die gezielt Wasserstoffprojekte fördern soll, deren Produktion über die geplante Pipeline aus Dänemark in das deutsche Kernnetz eingespeist wird.

Midstreamer

Der Handel zwischen Erzeugern und Abnehmern von Wasserstoff findet über sogenannte
Midstream-Unternehmen statt. Deren Rolle und Aufgabe kann wie heute bei Öl und Erdgas ausgestaltet sein:

  • Bündelung von Angebot und Nachfrage über die gesamte Wertschöpfungskette (Einkauf, Schiffstransport, Import, Strukturierung, Downstream Transport, Verkauf)
  • Ausgleich von Liefer- und Abnahmezeitpunkten
  • Gewährleistung benötigte Produktqualität
  • Schaffung von Liquidität im Markt

5. Welche regulatorischen Grundlagen sind für den Import von Wasserstoff noch notwendig?

Die Bundesregierung hat 2024 eine H2-Importstrategie aufgestellt, die Importinfrastruktur ist zudem im Wasserstoffbeschleunigungsgesetz berücksichtigt. Weitere regulatorische Punkte stehen jedoch noch aus:

Kurzfristig (bis 2027)

  • Nachfrage nach grünem Wasserstoff in Deutschland konsequent fördern durch geeignete Förderbedingungen.
  • Umsetzung H2– / Gasmarktpaket der EU in nationales Recht.
  • Aktualisierte Bedarfsabschätzung für Deutschland als Grundlage für die Genehmigung weiterer H2Global-Auktionen.
  • EU-weite Zertifizierungs- und Nachhaltigkeitsstandards, die mit globalen Normen in Einklang stehen.
  • Koordinierter Plan für Wasserstoffimportterminals mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Mittelfristig (2028-2035)

  • Klare Regeln für die Nutzung von Ammoniak, Methanol und anderen Derivaten.
  • Schaffung De-Risking-Instrumente mit Ausfallgarantien für Abnahmeverträge und Preisabsicherungen.
  • Gleiche Zoll-Behandlung von Importen und inländischer Produktion.
  • Diskriminierungsfreier Zugang Dritter zu Importterminals.
  • Europäische Harmonisierung bei regulatorischen Fragen und Planung sowie Finanzierung der Infrastruktur.

Langfristig (bis 2045)

  • Übergang zu einem funktionierenden Wasserstoffmarkt mit transparenten Preisen und einheitlichen internationalen Zertifizierungssystemen.

6. Welche internationalen Herausforderungen könnten den Import von Wasserstoff beeinflussen?

Beim Aufbau eines Handels mit Import-Wasserstoff gibt es mehrere Herausforderungen:

  • Für den gesamten Wasserstoffmarkt ist die geringe Zahlungsbereitschaft der Abnehmer in Deutschland eine Herausforderung. Der Effekt ist eine geringe Nachfrage nach langfristigen Verträgen aufgrund der hohen Kosten für klimaneutralen Wasserstoff. Die fehlende Nachfrage gefährdet die Investitionen in die Importinfrastruktur.
  • Konkurrenz mit Ländern wie Japan und Südkorea, in denen eine höhere Zahlungsbereitschaft besteht.
  • Verzögerter Ausbau von Erneuerbaren Energien und H2-Produktion in den potenziellen Exportländern sowie des Infrastrukturausbaus in Deutschland.
  • Der regulatorische Rahmen für den internationalen Handel mit Wasserstoff und die Wasserstoffwirtschaft allgemein ist noch nicht abgeschlossen.
  • Fehlende globale Harmonisierung von Nachhaltigkeitsstandards schafft Anreize für eine Produktion von grünem Wasserstoff in Ländern mit niedrigen Standards und einen Verkauf in Länder mit hohen Standards. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen.
Download Factsheet